Warum Bindung der Schlüssel zur emotionalen Entwicklung von Kindern ist.

Lesezeit: 3 Minuten | Für: Erzieher*innen, Kita-Teams, pädagogische Fachkräfte Bindung und verlässliche Beziehungen sind essenziell für die emotionale Entwicklung eines Kindes. Doch wie können wir Kindern im Kita-Alltag helfen, sich emotional zu entwickeln und eine positive Bindung zu ihren Bezugspersonen aufzubauen? Die gute Nachricht: Jetzt, hier und heute ist die Zeit, zu beginnen. Wenn Kinder eine sichere und verlässliche Beziehung zu den Menschen erleben, die sie begleiten, fühlen sie sich geliebt und geschätzt. In diesem Beitrag liest du, warum Bindung der Schlüssel zur gesunden Entwicklung ist – und wie schon kleine Kontaktmomente im Alltag große Wirkung entfalten. Mit einem Beispiel aus der Kita und konkreten Anregungen für dein Team.

Inhaltsverzeichnis

Das Wichtigste in Kürze:

Warum Bindung für die emotionale Entwicklung so wichtig ist

Wenn Kinder eine sichere und verlässliche Beziehung zu ihren Bezugspersonen haben, fühlen sie sich geliebt und geschätzt. Das stärkt ihr Selbstwertgefühl und hilft ihnen im Verlauf ihrer Entwicklung, positive Beziehungen zu anderen aufzubauen.

Darüber hinaus können starke Beziehungen auch dazu beitragen, dass Kinder mit Stress und schwierigen Situationen besser umgehen können. Gelungene Bindung und stabile Beziehungen sind eine Vorbedingung für den persönlichen Erfolg – für eine gelungene Zeit in der Kita, in der Schule, im Beruf und für das ganze Leben.

Ein Beispiel aus dem Kita-Alltag

Lena ist vier Jahre alt und kommt morgens schwer an. Beim Bringen klammert sie, weint und lässt sich nur schwer von der Mutter lösen. Im Tagesverlauf wirkt sie oft am Rand – beobachtend und zögerlich.

 Der „alte“ Blick:

„Lena ist eben anhänglich. Das gibt sich, wenn sie sich eingewöhnt hat. Bis dahin müssen wir da durch.“

 Der „neue“ Blick:

„Lena braucht einen verlässlichen Moment der Verbindung, bevor sie sich auf den Tag einlassen kann. Diese halbe Minute ist keine verlorene Zeit – sie ist der Anfang.“

 

Und das veränderte sich:

Mit der Zeit begann Lena morgens schneller anzukommen.

Sie suchte von sich aus Blickkontakt.

Sie fand leichter ins Spiel und in den Kontakt mit anderen Kindern.

Bindungssicherheit als Schlüssel zur psychischen Gesundheit

Die Bindungssicherheit ist ein Schlüssel für die psychische Gesundheit des Kindes. Ist das Kind gesund und fühlt sich wohl, erleichtert dies sein ganzes Leben.

Das Gefühl von Bindungssicherheit öffnet beim Kind die Tore zum Lernen, zur Entwicklung von Eigenmotivation und zur Neugierde. Durch die Verbindung zu seinen Bezugspersonen lernt das Kind seine Kompetenzen und Ressourcen kennen.

Das Problem mit der Zeit - und die Lösung

Wenn wir an die konkrete Umsetzung im Alltag denken, haben wir oft den Zeitmangel vor Augen. Pädagogische Fachkräfte, Erzieher und Erzieherinnen fragen sich häufig: „Wann soll ich mir die Zeit dafür nehmen?“, „Wie viel Zeit braucht ein Kind von mir am Tag?“, „Ich hab doch so wenig Zeit!“

In den Kitas wird aktuell oft der Mangel verwaltet: Die Zeit fehlt, das Personal fehlt. Die Antwort ist dennoch: Ein guter Moment am Tag ist eine gelungene Investition in die Entwicklung der Kinder. Und wenn du zwei oder auch drei Momente hast, ist es gleich doppelt oder dreifach so viel. Und mit Moment ist wirklich der Moment gemeint.

Was kannst du als Fachkraft tun?

Willst du eine stabile und vertrauensvolle Beziehung zu dem Kind aufbauen, das du begleitest, dann achte auf deine Kontaktmomente. Und damit ist der wirkliche Kontaktmoment gemeint.

Halte einen Moment inne und setz dich hin – schau das Kind an – lächle, wenn du es geben kannst – sei begeistert von dem Kind. Sei für einen Moment ganz da.

Probier es morgen aus

Such dir bewusst einen ruhigen, guten Moment und schenke ihn einem Kind – ungeteilt und echt. Eine halbe Minute Aufmerksamkeit kann mehr bewirken als eine ganze Stunde nebenbei.

Frag dich: „Wann hatte ich heute einen Moment echter Verbindung?“

Zähle die guten Momente statt der fehlenden Zeit. So entsteht Beziehung – und Beziehung ist der Boden, auf dem Kinder wachsen. Trau dich, ganz da zu sein!

Häufig gestellte Fragen

Es geht weniger um die Dauer als um die Qualität. Schon ein bewusster Moment am Tag ist eine gelungene Investition in die Entwicklung des Kindes. Zwei oder drei solcher Momente wirken doppelt oder dreifach. Eine halbe Minute echter Verbindung zählt mehr als eine lange Zeit nebenbei.

Resonanz ist mehr als ein Echo. Sie gibt dem Kind einen Spiegel seines Selbst, damit es sich in dir erkennt. Praktisch heißt das: innehalten, das Kind ansehen, lächeln und für einen Moment ganz da sein. So spürt das Kind, dass es gesehen wird.

Verändere zuerst deine innere Haltung. Denk nicht „Ich hab keine Zeit“, sondern zähle die Momente, in denen es dir gelungen ist, Zeit zu geben. Sei geduldig mit dir selbst und hake Tage ab, an denen scheinbar nichts gelingt. Schau wieder nach vorne zum nächsten Tag.

Bindungssicherheit ist ein Schlüssel für die psychische Gesundheit. Sie öffnet die Tore zum Lernen, zur Eigenmotivation und zur Neugierde. Gelungene Bindung ist eine Vorbedingung für eine gelungene Zeit in der Kita, in der Schule, im Beruf und für das ganze Leben.

Wir sind Gabriele & Annette.

Hinter jedem herausfordernden Verhalten steht ein Kind, das verstanden werden möchte.
Aus dieser Überzeugung begleiten Gabi Ries und Annette Schoeneck seit über 30 Jahren pädagogische Fachkräfte – und haben dabei über 3.000 von ihnen qualifiziert. Beim Don Bosco Verlag erschien ihr Kartenset „Herausforderndes Verhalten verstehen und im Kita-Alltag begleiten".
Im Blog teilen sie Wissen, neue Perspektiven und praktische Schritte, die Fachkräfte sofort ausprobieren und gemeinsam im Team umsetzen können.

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