Warum ist es wichtig, dass Kinder emotional kompetent sind? Wie Kinder lernen ihre Gefühle zu verstehen.

Lesezeit: 4 Minuten | Für: Erzieher*innen, Kita-Teams, pädagogische Fachkräfte Ein Kind wirft sich auf den Boden und schreit. Ein anderes zieht sich zurück und sagt kein Wort. Ein drittes haut, sobald etwas nicht klappt. Was steckt dahinter? Oft sind es große Gefühle – und noch keine Worte dafür. Genau hier setzt emotionale Kompetenz an. Damit ist gemeint: Ein Kind lernt, seine Gefühle zu erkennen, zu benennen und gut mit ihnen umzugehen. Und es lernt, sich in andere einzufühlen. Diese Fähigkeit ist kein Talent, das manche haben und andere nicht. Kinder lernen sie – und wir Erwachsenen helfen ihnen dabei. In diesem Artikel liest du, warum das so wichtig ist und wie du Kinder ganz konkret unterstützt. Mit einem Beispiel aus dem Alltag und vielen Ideen zum sofort Ausprobieren.

Inhaltsverzeichnis

Das Wichtigste in Kürze:

Was bedeuted emotionale Kompetenz?

Emotionale Kompetenz bedeutet: Ein Kind kann seine Gefühle wahrnehmen, sie benennen und gut mit ihnen umgehen. Dazu gehört auch, die Gefühle anderer zu erkennen und sich einzufühlen.

Ein einfaches Beispiel: Ein Kind merkt, dass es wütend ist. Es kann sagen „Ich bin wütend!“, statt zu hauen. Und es sieht, dass ein anderes Kind traurig ist, und reagiert darauf. Das klingt selbstverständlich – ist es aber nicht. Kinder müssen das erst lernen, Schritt für Schritt.

Warum ist emotionale Kompetenz so wichtig für Kinder?

Weil sie fast jeden Bereich des Lebens berührt – von der Freundschaft bis zum Lernen. Kinder, die ihre Gefühle verstehen, haben es im Alltag leichter. Diese fünf Punkte zeigen, warum:

Starkes Selbstbild: Wer seine Gefühle versteht und zeigen darf, entwickelt ein gutes Gefühl für sich selbst.

Gute Beziehungen: Kinder können sich in andere einfühlen. So entstehen Freundschaften und ein gutes Miteinander.

Weniger Streit: Sie lösen Konflikte eher friedlich – sie sagen, was sie brauchen, und hören auch dem anderen zu.

Mehr Halt bei Stress: Sie finden gesunde Wege, mit Ärger oder Kummer umzugehen, statt sich überrollen zu lassen.

Besser lernen: Wer seine Gefühle im Griff hat, kann sich besser konzentrieren und traut sich mehr zu.

Ein Beispiel aus dem Kita-Alltag

Emil ist vier Jahre alt. Wenn etwas nicht klappt – der Turm fällt um, ein anderes Kind nimmt ihm das Auto weg –, haut er oder schreit ganz laut.

 Der „alte“ Blick:

„Emil ist aggressiv. Er muss endlich lernen, sich zu benehmen.“

 Der „neue“ Blick:

„Emil braucht Hilfe. Wir bringen ihm Worte für das bei, was er fühlt.“

Das Ergebnis?

Nach einigen Wochen sagte Emil öfter „Ich bin sauer!“, statt gleich zu hauen. Nicht, weil er „funktionieren“ musste – sondern weil er endlich Worte für seine Gefühle hatte.

Eines ist wichtig: Nicht jedes Kind braucht so wenig Zeit wie Emil. Manche kommen schnell voran. Andere – gerade die, die uns im Alltag stark herausfordern – brauchen länger und viel Geduld. Das ist normal. Und es lohnt sich: Auf Dauer verändert sich etwas. Bleib dran!

Wie kannst du diese Kinder unterstützen?

Am meisten hilfst du, indem du Gefühlen Worte gibst – bei den Kindern und bei dir selbst. Diese fünf Wege lassen sich leicht in den Alltag einbauen:

Probier es morgen aus

Du brauchst dafür kein großes Programm. Such dir heute einen Moment und benenne laut, was ein Kind gerade fühlt. Frag dich vorher kurz:

„Welches Gefühl zeigt mir dieses Kind gerade?“

Beobachte, was dann passiert. Oft entspannt sich ein Kind schon dadurch, dass sein Gefühl einen Namen bekommt. Du musst keine perfekten Worte finden. Es reicht, dass du da bist und hinschaust. Trau dich!

Häufig gestellte Fragen zur emotionalen Entwicklung

Schon sehr früh – mit deiner Hilfe. Kleine Kinder spüren starke Gefühle, haben aber noch keine Worte dafür. Wenn du ihre Gefühle immer wieder benennst („Du bist traurig.“), lernen sie nach und nach, sie selbst auszudrücken. Mit etwa drei bis vier Jahren gelingt das vielen Kindern schon recht gut.

Erwarte in dem Moment keine Einsicht. Ein Kind im starken Gefühl kann oft nicht zuhören. Bleib ruhig und in der Nähe und sorge dafür, dass nichts passiert. Worte und Gespräche kommen später, wenn das Gefühl kleiner geworden ist.

Ja. Alle Gefühle sind erlaubt – Wut, Angst und Trauer gehören dazu. Du darfst dabei Grenzen für das Verhalten setzen („Hauen ist nicht okay“), aber das Gefühl selbst darf sein. Genau so lernt ein Kind, dass es sich für seine Gefühle nicht schämen muss.

Das gelingt nicht immer – und das ist menschlich. Hilfreich ist, kurz innezuhalten und auch die eigenen Gefühle wahrzunehmen. Sprich im Team darüber und gönn dir Pausen. Wenn du gut für dich sorgst, kannst du auch für die Kinder leichter ruhig bleiben.

Wir sind Gabriele & Annette.

Hinter jedem herausfordernden Verhalten steht ein Kind, das verstanden werden möchte.
Aus dieser Überzeugung begleiten Gabi Ries und Annette Schoeneck seit über 30 Jahren pädagogische Fachkräfte – und haben dabei über 3.000 von ihnen qualifiziert. Beim Don Bosco Verlag erschien ihr Kartenset „Herausforderndes Verhalten verstehen und im Kita-Alltag begleiten".
Im Blog teilen sie Wissen, neue Perspektiven und praktische Schritte, die Fachkräfte sofort ausprobieren und gemeinsam im Team umsetzen können.

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